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Schluckstörungen

Schluckstörungen (Dysphagien)

Als Dysphagie (griechisch: phagein = essen) bezeichnet man eine Störung des Schluckaktes beim Trinken, bei der Nahrungsaufnahme oder beim Schlucken von Speichel. Sie tritt dann auf, wenn eine der am Schluckakt beteiligten Strukturen in ihrer Funktion bzw. deren Zusammenwirken beeinträchtigt ist. Somit können Erkrankungen oder Veränderungen im Bereich der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre und des Mageneingangs, vor allem aber auch neurologische Beeinträchtigungen (z. B. nach Schlaganfall, bei Cerebralparesen oder bei fortschreitenden neurologischen Krankheitsbildern wie Parkinson, MS oder ALS) eine Störung des Schluckablaufs verursachen. Für den Betroffenen besteht hierdurch die Gefahr, Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege aufzunehmen. Dieses Verschlucken (Aspiration) kann schlimmstenfalls Erstickungsanfälle und/oder eine Lungenentzündung verursachen und ist vor allem dann schwer zu bemerken, wenn das Verschlucken nicht gespürt wird und der Hustenreflex als natürlicher Schutzmechanismus ausbleibt. Weitere Auswirkungen einer Dysphagie können Gewichtsverlust und ein zu geringer Flüssigkeitshaushalt des Körpers, eine Dehydration sein, welche zu einer Beeinträchtigung der Gehirndurchblutung und so zu einer zusätzlichen Verschlechterung der neurologischen Symptomatik führen kann. Sollten Sie einige der folgenden Anzeichen bemerken, ist es sinnvoll, die Symptome neurologisch sowie HNO-ärztlich/ phoniatrisch abklären zu lassen:

  • häufiges Verschlucken an Speichel, bestimmten Speisen oder Getränken
  • häufiges Räuspern oder Husten bis hin zu Hustenanfällen mit Atemnot und Erstickungsangst
  • gurgelnde, d. h. feucht klingende Stimme beim Sprechen
  • brodelnde, rasselnde Atemgeräusche
  • das Schlucken von Speichel, Speisen oder Getränken ist nur sehr mühsam oder gar nicht möglich und das Esstempo ist verlangsamt
  • Gefühl, dass die Nahrung im Hals stecken bleibt
  • Nahrungsreste bleiben im Mund zurück (bspw. am Gaumen oder in den Wangentaschen)
  • Austritt von Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit aus der Nase

siehe:
Dysphagie. Schluckstörungen nach Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma (SHT).
Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige. Wiebke Herbst, 2009

Neben der von Sprachtherapeuten/Logopäden durchzuführenden klinischen Diagnostik durch Beobachtung und Überprüfung der hörbaren, sichtbaren und ertastbaren Funktionen, ist es bei Verdacht auf eine Schluckstörung empfehlenswert, eine fiberendoskopische Untersuchung von einem Hals-Nasen-Ohrenarzt oder Phoniater durchführen zu lassen. Bei der Fiberendoskopie kann der Kehlkopf während des Schluckaktes beobachtet werden. Die Videofluoroskopie (Röntgenbreischluck) ermöglicht „eine dynamische Beurteilung des gesamten Schluckvorgangs von der Mundhöhle bis zum Einritt in den Magen“ (Bartolome), was im Bedarfsfall ebenfalls von großer Bedeutung für die Auswahl der erforderlichen Therapiemethode ist.


Therapeutische Maßnahmen: 
Die Behandlung von Schluckstörungen umfasst invasive und nicht invasive Methoden.
In der Akutbehandlung und bei besonders schweren Dysphagien sind manchmal invasive Methoden wie eine Nasensonde (NSG) oder eine Magensonde (PEG), der Luftröhrenschnitt (Tracheostoma) und eine Trachealkanüle lebenserhaltend. Alle Maßnahmen können nach erfolgreicher Schlucktherapie wieder rückgängig gemacht werden, indem die Sonde entfernt und das Tracheostoma wieder verschlossen wird.  
Neben der Beratung hinsichtlich notwendiger Behandlungsverfahren und Vorsichtsmaßnahmen (z. B.  Auswahl unbedenklicher Nahrungskonsistenzen, Schutzmechanismen, Trachealkanülenmanagement) arbeite ich in der Dysphagietherapie u. a. nach folgenden Verfahren:

  • Funktionelle Dysphagietherapie (Bartolome, Hotzenköcherle)
  • Facio-orale Trakt-Therapie / F.O.T.T. (Coombes)
  • Propriozeptive Neuromuskuläre Faszilitation / PNF (Knott & Voss)

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Fütterstörungen – Ess- und Trinkprobleme bei Kleinkindern

Die Nahrungsaufnahme im frühen Kindesalter kann sich in einigen Fällen als sehr frustrierend entwickeln. Die Kinder saugen nur sehr schwach, drehen sich immer wieder von der Nahrungsquelle weg, öffnen den Mund nicht, machen sich ganz steif, trinken nicht die vorgegebene Nahrungsmenge, schlafen immer wieder ein, wirken unruhig, unzufrieden und/oder weinen viel beim Trinken. Die Nahrungsaufnahme entwickelt sich zum Kampf anstatt zu einer vertrauten Bindung. Mit diesem Verhalten haben häufig Eltern von zu früh geborenen Kindern, Säuglingen, die sondiert wurden, Kindern mit Syndromen (bspw. Down-Syndrom), cerebralparetischen Kindern oder Kindern mit anatomischen Auffälligkeiten wie Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten zu kämpfen. Von einer Fütterstörung spricht man, wenn die Nahrungsaufnahme länger als mindestens einen Monat von den Eltern als problematisch erlebt wird. Kennzeichen einer Fütterstörung sind u. a.:

  • eine schlechte Koordination von Saugen, Schlucken und Atmen
  • schwache Saugbewegungen
  • Unterbrechung der Atmung während des Fütterns
  • starkes Würgen oder häufiges Husten während des Fütterns
  • starke Reizbarkeit oder Verhaltensstörungen während des Fütterns
  • Schläfrigkeit oder verringerte Stimulierbarkeit während des Fütterns
  • das Füttern dauert länger als 30-40 Minuten
  • wiederkehrende Lungenentzündungen
  • schlechtes Wachstum

siehe:
Fütterstörungen. Ein Ratgeber für Ess- und Trinkprobleme bei Kleinkindern.
Lenie van den Engel-Hoek, 2008


Therapeutische Maßnahmen: 
Um die Situation der Nahrungsaufnahme für Eltern und Kind zu verbessern, werden zunächst die der Störung zugrunde liegenden Funktionsbereiche Motorik und Wahrnehmung überprüft, sowie die Reaktionen und das Verhalten während der Füttersituation beobachtet. Nach genauer Analyse der Auffälligkeiten werden die Ess- und Trinkfähigkeiten des Kindes positiv beeinflusst, u. a. durch:

  • Veränderungen der Haltung
  • Stimulationen der Saug- und Schluckreaktionen
  • Regulation der orofazialen Muskulatur (Castillo Morales)
  • Durchbrechen negativer Verhaltensmuster
  • Neurofunktionelle Reorganisation (Padovan)
  • Hilfsmittel wie spezielle Trinkflaschen o. ä.

Die Therapie von Fütterstörungen wird stets mit den Eltern zusammen durchgeführt. Sie sollen Hilfestellung erfahren und lernen, die Nahrungsaufnahme ihres Kindes selbst so beeinflussen zu können, dass eine vertraute und befriedigende Füttersituation zwischen Eltern und Kind entsteht.

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