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Sprechstörungen

Sprechstörungen

Bei einer Sprechstörung ist die motorische Erzeugung von Lauten in der Form betroffen, dass sie nicht korrekt und/oder nicht flüssig artikuliert werden können. Im Folgenden biete ich einen kurzen Einblick in einzelne Störungsbilder, die in meiner Praxis behandelt werden:

Stottern

Störungsbild:
Stottern ist eine Störung des Redeflusses, die durch Wiederholungen, Dehnungen und Blockierungen der artikulatorischen Bewegungen gekennzeichnet ist. Begleitend können krampfartiges Pressen, mimische und/oder gestische Mitbewegungen, Schwitzen und Erröten auftreten. Meist fehlt der Blickkontakt zum Gesprächspartner. So genannte verdeckte Symptome wie Angst, Scham und Wut verändern das Selbstkonzept und führen zu Vermeidungs- und Fluchtverhalten.

Innerhalb der kindlichen Sprachentwicklung sind o. g. Redeunflüssigkeiten zunächst als normal zu bewerten, sie können ca. 10 % des kindlichen Sprechens ausmachen (Hansen, Iven, s. u.). Eine Stottertherapie im Kindesalter ist dann angeraten, wenn die Symptome regelmäßig und über einen längeren Zeitraum als sechs Monate auftreten. Sollten Sie unsicher sein, wie Sie mit den Redeunflüssigkeiten Ihres Kindes umgehen sollen, berate ich Sie gerne auch schon frühzeitig und empfehle folgenden Ratgeber:

Stottern bei Kindern. Ein Ratgeber für Eltern und pädagogische Berufe; Bernd Hansen, Claudia Iven; Schulz-Kirchner Verlag, 2007


Therapeutische Maßnahmen: 
Solange eine Stottersymptomatik im Kindesalter nicht eindeutig als Stottern identifiziert werden kann, arbeite ich mit dem Kind indirekt an der Atmung und der Sprechflüssigkeit. Ist das Stottern eindeutig diagnostiziert, setze ich u. a. die direkte Therapiemethode Kids (Kinder dürfen Stottern) von Patricia Sandrieser und Peter Schneider ein. Das direkte Arbeiten bedeutet, dass dem Kind die Stottersymptomatik bewusst gemacht wird, um diese dann gemeinsam verändern zu können. In der Stottertherapie bei Jugendlichen und Erwachsenen arbeite ich immer direkt, u. a. nach Charles van Riper und in Anlehnung an die Bonner Stottertherapie von Holger Prüß.

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Poltern

Störungsbild:
Bei einer Poltersymptomatik führt ein überhasteter Sprechablauf zu Fehlern wie Lautauslassungen, -umstellungen, -ersetzungen oder –verschmelzungen. Es werden viele Füllelemente wie „äh“, „ehm“ benutzt und Sätze z. T. falsch umgestellt, so dass das Sprechen für den Zuhörer schwer verständlich wird. Häufig liegen bei Polterern Probleme u. a. in der Aufmerksamkeitsspanne und/oder der auditiven Verarbeitung vor. Da es beim Poltern auch zu Wiederholungen von Silben oder Wörtern kommt, wird die Symptomatik oft mit Stottern verwechselt. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass dem Polterer seine unverständliche Aussprache meist wenig oder gar nicht bewusst ist, während sich das Stottern gerade durch die Bewusstheit und die Angst vor Fehlern manifestiert.

Stottern bei Kindern. Ein Ratgeber für Eltern und pädagogische Berufe; Bernd Hansen, Claudia Iven; Schulz-Kirchner Verlag


Therapeutische Maßnahmen: 
Zunächst stehen die übergeordneten Bereiche wie Aufmerksamkeit, auditive Wahrnehmung und Verarbeitung sowie der psychosoziale Kontext im Vordergrund meiner Therapie. Zur konkreten Behandlung der Sprechflüssigkeit werden parallel oder im Anschluss v. a. Übungen zum Sprechtempo und zur Artikulation durchgeführt.

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Dysarthrie

Störungsbild:
Eine Dysarthrie oder auch Dysarthrophonie ist eine Sprechstörung, die durch Schädigung des Nervensystems, z. B. nach einem Schlaganfall oder nach Schädel-Hirn-Traumata, sowie bei Parkinson, Multipler Sklerose (MS) und Amyotropher Lateralsklerose (ALS) auftritt. Durch die nervliche Beeinträchtigung der Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen resultiert eine Störung der Artikulation. Meist sind auch die Atmung, die Stimmgebung und/oder die Sprechmelodie betroffen. Patienten mit einer Dysarthrie sprechen meist sehr verwaschen, z. T. langsam und angestrengt sowie häufig monoton.


Therapeutische Maßnahmen: 
In der Dysarthriebehandlung werden mundmotorische Übungen durchgeführt, um die Beweglichkeit der Sprechorgane und die Koordination der Bewegungen zu verbessern sowie die Muskulatur zu kräftigen. Weitere Elemente sind u. a. Artikulations-, Haltungs-, Atem- und Stimmübungen.

Bei Parkinson-Syndromen wende ich das Lee Silverman Voice Treatment (LSVT) an, eine Methode, die sich bei den genannten Symptomen als erfolgreich erwiesen hat.

In der ALS-Therapie ist eine andere Herangehensweise erforderlich, da Kräftigungsübungen kontraindiziert sind und den Patienten nur noch mehr schwächen. Der Schwerpunkt der Therapie liegt daher auf Atem-, Stimm- und Entspannungsübungen, passiven Stimulationen, sowie in der Beratung hinsichtlich der Nahrungsaufnahme und Methoden der Unterstützten Kommunikation.

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Sprechapraxie

Störungsbild:
Eine Dysarthrie oder auch Dysarthrophonie ist eine Sprechstörung, die durch Schädigung des Nervensystems, z. B. nach einem Schlaganfall oder nach Schädel-Hirn-Traumata, sowie bei Parkinson, Multipler Sklerose (MS) und Amyotropher Lateralsklerose (ALS) auftritt. Durch die nervliche Beeinträchtigung der Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen resultiert eine Störung der Artikulation. Meist sind auch die Atmung, die Stimmgebung und/oder die Sprechmelodie betroffen. Patienten mit einer Dysarthrie sprechen meist sehr verwaschen, z. T. langsam und angestrengt sowie häufig monoton.


Therapeutische Maßnahmen: 
In der Therapie von Sprechapraxien modifiziere und kombiniere ich je nach Störungsbild verschiedene Methoden. Beispielsweise arbeite ich hierbei mit der erweiterten Mediationstechnik (EMS), bei der einzelne Laute mit Handgesten kombiniert werden. Bei sehr starken Artikulationsstörungen werden die Laute stets durch Vorsprechen (Hören), Mundbilder (Sehen) und taktile Reizgebungen (Fühlen) unterstützt. Nach einer Verbesserung der Artikulation verlagern sich die Therapieziele auf eine Verbesserung des Redeflusses und die Steigerung der Natürlichkeit des Sprechens.

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Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Spalten (LKGS)

Störungsbild:
LKGS-Spalten entstehen zwischen der fünften und der zwölften Schwangerschaftswoche und kommen in etwa bei jeder 500. Geburt vor. Es können bis zu 100 verschiedene Formen von LKGS-Spalten auftreten, die sich nicht nur in unterschiedlichen Spaltformen äußern, sondern auch Fehlbildungen der umgebenden Muskulatur, der Knochen und des Gewebes verursachen. Dies kann sich auf die Atmung, die Nahrungsaufnahme (Saugen, Schlucken), das Gehör, die Sprachentwicklung und die Mimik auswirken.

Die Behandlung einer LKGS Fehlbildung ist immer Aufgabe eines Teams zusammengesetzt aus Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, HNO-Ärzten/ Phoniatern/ Pädaudiologen, Kieferorthopäden und Sprachtherapeuten. Falls nicht schon versorgt, wenden Sie sich am besten an die nächstgelegene Uniklinik, die eine „Spaltsprechstunde“ anbietet.

Die meist langfristig durchzuführende Sprachtherapie kann jedoch nach den ersten chirurgischen Maßnahmen sehr gut ambulant durchgeführt werden, da auch hier der regelmäßige Austausch mit den anderen Disziplinen selbstverständlich ist.


Therapeutische Maßnahmen: 
Die Therapie von LKGS-Spalten setzt sich zusammen aus Übungen zur Verbesserung der Wahrnehmung, der Luftführung und des Gehörs, sowie der Beweglichkeit und Kraft der Lippen, der Zunge und des Gaumensegels. Viele Elemente sind identisch mit denen einer Therapie bei Sprachentwicklungsverzögerungen (siehe Sprachstörungen). Die Myofunktionelle Therapie (MFT) ist beispielsweise ein obligatorischer Bestandteil der LKGS-Therapie. Durch myofunktionelle Übungen werden die Gaumen-, Schlund- und Kehlkopfmuskulatur zur Reduzierung von Näseln und zur Verbesserung der Schluckmechanismen aktiviert und die vorderen Sprechmuskeln zur Verbesserung der Artikulation trainiert.

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